Arbeitsrecht im Homeoffice: Antworten auf die wichtigsten Fragen

homeoffice

Arbeitsrecht im Homeoffice: Antworten auf die wichtigsten Fragen

Arbeitsrecht im Homeoffice: Antworten auf die wichtigsten Fragen 1368 677 coronavirus.de

Viele Arbeitnehmer sind seit Ausbruch der Corona-Krise von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit betroffen. Da erscheint die Arbeitsplatzverlagerung in die eigenen vier Wände in vielen Branchen als gute Lösung. Prinzipiell kann das Homeoffice eine Maßnahme gegen Kurzarbeit oder Verdienstausfälle im Zeitraum der Betriebsschließung sein. Allerdings sollten sowohl Arbeitgeber wie Arbeitnehmer klare Vereinbarungen treffen, die Regeln beachten und Absprachen in schriftlicher Form fixieren.

Dürfen Arbeitgeber oder Arbeitnehmer einseitig darauf bestehen, dass der Arbeitsplatz ins Homeoffice verlagert wird?

Weder der Arbeitgeber, noch der Arbeitnehmer kann in Eigenregie für oder gegen einen Heimarbeitsplatz entscheiden. Auch wenn die Corona-Pandemie einige Veränderungen und Sonderregelungen mit sich bringt, entbindet sie nicht von der Notwendigkeit einer vertraglichen Vereinbarung. Die deutsche Gesetzgebung beinhaltet kein Recht auf Homeoffice, auf das sich Arbeitnehmer in Krisenzeiten berufen können. Nur wenn sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einig sind und wenn die Möglichkeit auf eine Ausübung der beruflichen Tätigkeit im Heimbüro besteht, ist eine vorübergehende Verlagerung des Arbeitsplatzes möglich.

Gibt es im Zeitraum der Corona-Krise Sonderregelungen für Arbeitnehmer?

Viele Arbeitnehmer fragen, ob die Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus ein Grund für das Fernbleiben vom Büro ist. Die Sorge vor einer möglichen Ansteckung berechtigt nicht zur Forderung, vom zu Hause aus zu arbeiten. Ausnahmen bestätigen die Regel. Sie treten laut dem jüngsten Urteil in Kraft, wenn der Arbeitgeber in den Sicherheitsvorkehrungen zum Gesundheitsschutz nicht sorgsam vorgeht. In diesem Fall können Arbeitnehmer vom Leistungsverweigerungsrecht Gebrauch machen und mit Berufung auf die Gefahr der Arbeit ohne finanzielle Einbußen fern bleiben.

Einen Rechtsanspruch auf Homeoffice im eigentlichen Sinne gibt es nicht.

Sind Ausnahmeregelungen für Arbeitnehmer mit Kindern möglich, da Schulen und Kindertagesstätten wegen des Coronavirus geschlossen haben?

Einen Rechtsanspruch im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Doch viele Unternehmen mindern die Risiken eines Betriebsausfalls, in dem sie Eltern die Kinderbetreuung durch die Arbeit von zu Hause aus ermöglichen. Ein generelles Fernbleiben von der Arbeit ist nur möglich, wenn Eltern ein krankes Kind betreuen und diesbezüglich nicht ins Büro kommen können. In allen anderen Fällen kann das Homeoffice laut Arbeitsrecht in gegenseitiger Vereinbarung eine Lösung sein, um den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten und der Notwendigkeit der Kinderbetreuung gerecht zu werden. In vielen Fällen hilft ein Gespräch mit dem Arbeitgeber, der gerade bei Mitarbeitern mit betreuungsbedürftigem Nachwuchs dankbar über den Lösungsvorschlag ist und dem Heimbüro zustimmt.

Im Normalfall sind Homeoffice-Vereinbarungen schriftlich zu fixieren. Gilt das auch für vorübergehende, auf die Corona-Pandemie bezogene Arbeitsplatzveränderungen?

Einzelfallbezogen sind mündliche Absprachen durchaus bindend. Doch auch wenn die Corona-Krise einen Ausnahmezustand hervorruft, sollten Vertragsveränderungen laut Arbeitsrecht schriftlich festgehalten werden. Nur bei vollständiger Einigkeit kann von einem Schriftstück abgesehen werden. Sollte es von Seiten des Arbeitgebers oder des Arbeitnehmers allerdings zu Beschwerden kommen, können mündliche Vereinbarungen eine juristische Herausforderung darstellen. Daher gilt die grundsätzliche Empfehlung, auch in der Corona-Pandemie nicht auf eine schriftliche Fixierung der Änderungen zu verzichten und auf diesem Weg für beide Seiten Rechtssicherheit zu schaffen.

Die Vereinbarung über die Tätigkeit im Homeoffice kann auf die Zeit der Corona-bedingten Einschränkungen begrenzt und mit allen wichtigen Details ausgefertigt werden. Dazu gehören die tägliche Arbeitszeit, die Pausen- und Arbeitszeiten, der Datenschutz und die Bereitstellung der Materialien für die berufliche Tätigkeit. Denn auch wenn der Arbeitnehmer im Homeoffice arbeitet, ist er nicht nur selbstständigen Beschaffung von Arbeitsmaterialien verpflichtet.

Warum ist eine schriftliche Vereinbarung die einzige rechtssichere Entscheidung?

Wie bereits im oberen Absatz angeschnitten, kann es zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer zu Differenzen kommen. Gibt es eine schriftliche Vereinbarung mit klaren Regeln, haben beide Parteien Rechtssicherheit nach Arbeitsrecht. Neben den klaren Regeln zur Arbeits- und Pausenzeit, einer unterzeichneten Datenschutzvereinbarung und Individualvereinbarungen ist es wichtig, die arbeitsschutzrechtlichen Aspekte zu fixieren und diesbezüglich eine Absicherung zu treffen. Wer haftet bei einem Unfall im Homeoffice? Hat der Arbeitgeber das Recht, den Arbeitnehmer am heimischen Arbeitsplatz aufzusuchen und sich auf diesem Weg zum Beispiel Einsicht in die Einhaltung der Vereinbarungen zu verschaffen? All das sind Punkte, die im Arbeitsrecht wichtig und damit schriftlich festzuhalten sind. Letztendlich ist bei rechtlichen Streitigkeiten nur die Vereinbarung wirksam und verbindlich, die schriftlich ausgeführt und von beiden Vertragsparteien unterzeichnet ist.

Welche Anordnungen im Arbeitsschutz und in der Arbeitszeitregelung gelten im Homeoffice?

Der heimische Arbeitsplatz ist kein rechtsfreier Raum. Gerade der Arbeitsschutz steht im Fokus. Es lässt sich nur schwer überprüfen, wenn dem Arbeitgeber kein schriftlich zugesichertes Zutrittsrecht gegeben wird. Für eine Tätigkeit im Homeoffice sind ergonomische, gesundheitsfördernde Möbel wichtig. Ebenso müssen alle datenschutzrechtlichen Aspekte eingehalten werden. Bezüglich der Arbeitszeit, der Pausenregelungen und dem Unfallschutz gelten die gleichen Regelungen wie im Büro. Eine kleine Flexibilität ist dennoch möglich. Die Arbeitszeit kann laut Arbeitsrecht frei eingeteilt und an einzelnen Tagen überschritten werden. Wichtig ist hierbei, dass die mehr gearbeitete Zeit wie am regulären Arbeitsplatz vergütet oder in den nächsten 6 Monaten abgegolten wird. Wichtig: Zwischen dem Feierabend und dem Arbeitsbeginn am Folgetag müssen nachweislich mindestens 11 Stunden Ruhezeit liegen.

Müssen Arbeitnehmer im Heimbüro rund um die Uhr erreichbar sein?

Mit dieser Fragestellung beschäftigen sich viele Gerichte, da es hier die häufigsten Diskrepanzen bei Tätigkeiten im Homeoffice gibt. Eine klare Unterteilung in Arbeitszeit und Freizeit beugt der Problematik vor. Es zeigt außerdem auf, wann ein Arbeitnehmer erreichbar sein muss und wann sein geschäftlich genutztes Telefon ausgeschaltet sein darf. Fakt und im Arbeitsrecht geregelt ist die Tatsache, dass Arbeitnehmer im Heimbüro nicht rund um die Uhr erreichbar sein und ihrem Arbeitgeber zur Verfügung stehen müssen. Wünscht der Arbeitgeber Ausnahmeregelungen, müssen diese vertraglich fixiert und deutlich ausformuliert sein. In allen anderen Fällen gilt die reguläre Arbeitszeit als Zeitraum der Erreichbarkeit. Kein Arbeitgeber kann verlangen, dass der Arbeitnehmer rund um die Uhr und damit auch außerhalb seiner Arbeitszeit erreichbar ist.

Welche Herausforderungen stellen sich beim Datenschutz im Homeoffice?

Betriebsgeheimnisse und interne Daten sind zu schützen. Wer im Homeoffice tätig ist, kann zum Beispiel vor der Anordnung stehen, dass die zum Arbeiten genutzte IT nicht für den privaten Einsatz verwendet werden darf. In diesem Fall ist der Arbeitgeber allerdings dazu verpflichtet, die firmeneigene IT zu stellen und die Anschaffung nicht vom Arbeitgeber zu verlangen. Das gilt auch für verschließbare Schränke oder Schubladen zur Aufbewahrung sensibler Akten.

Weitere Informationen zum produktiven Arbeiten im Homeoffice finden Sie im E-Book von IONOS.