Corona-Insolvenzen: Domains nicht sofort löschen

Corona Insolvenz

Corona-Insolvenzen: Domains nicht sofort löschen

Corona-Insolvenzen: Domains nicht sofort löschen 1368 677 coronavirus.de

Der Lockdown erwischte viele Unternehmer kalt. Ladengeschäfte mussten lange Zeit geschlossen bleiben, die Kunden blieben wegen der Abstandsregeln und der Maskenpflicht weg. Flüge und Reisen fielen wegen des Coronavirus aus. Die Innenstädte verwaisten zunehmend. Da viele Arbeitnehmer wegen Kurzarbeit oder Entlassung finanzielle Einbußen hinnehmen mussten, schwand die Kaufkraft. Das Coronavirus leistete im negativen Sinne ganze Arbeit und fügte der Wirtschaft erheblichen Schaden zu.

Die ersten Unternehmen sahen sich bereits im Juli 2020 gezwungen, wegen der Corona-Pandemie vorläufig Insolvenz anzumelden. Nur wenige Firmen konnten während der ersten Phase der Corona Pandemie wirtschaftlich profitieren, die meisten hatten herbe Verluste zu verzeichnen.

Schicksalsschlag für Unternehmen

Sobald die Beantragung einer Insolvenz wegen der Bewilligung von Kurzarbeit nicht mehr ausgesetzt ist, wird sich nach allgemeiner Schätzung die Zahl der Insolvenz anmeldenden Unternehmen sprunghaft erhöhen. Viele Unternehmen haben keinerlei Staats- oder Landeshilfen erhalten. Nur durch Kurzarbeit und andere Sparmaßnahmen konnten Betriebe die Anfangszeit der Corona-Pandemie überleben. Entlassungen konnten zwar weitestgehend erfolgreich vermieden werden, doch die Gefahr ist noch nicht vorüber.

Bei manchen Betrieben waren die beantragten Nothilfen nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Zudem müssen viele Unternehmer einen Teil der Staatshilfen zurückzahlen, weil sie damit andere als die erlaubten Ausgaben getätigt haben. Ein Teil der Unternehmen, die jetzt eine Insolvenz anmelden, war zudem schon vor der Krise in finanzieller Schieflage. Die Corona-Pandemie hat die wirtschaftliche Lage nochmals verschärft – und das bedeutete für bereits angeschlagene Unternehmen oft das Ende.

Das Coronavirus ist und bleibt eine Gefahr

Im Herbst könnte es zur nächsten Pleitewelle kommen. Inzwischen wird klar, dass die Pandemie keineswegs an Fahrt verloren hat. Im Gegenteil: Die zweite Welle scheint Wirklichkeit zu werden. Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten und Verweigerer von Sicherheitsmaßnahmen sorgen dafür, dass sich das Coronavirus weiterhin verbreiten kann. Da die Wirtschaftsfachleute mit weiteren Insolvenzen rechnen, gilt es die drohenden Risiken genauer zu betrachten. Als wichtiges Aushängeschild einer Firma gehören dazu natürlich auch die Unternehmens-Domains.

Zwar bedeutet ein Insolvenzantrag bei deutschen Unternehmen nicht gleich das endgültige Aus. Die Insolvenz-Anmeldung soll das gestrandete Unternehmen vielmehr retten. Trotzdem werden viele der Gewerbetreibenden durch die Corona-Pandemie Federn lassen. Falls ein durch die Pandemie gestrandetes Unternehmen mit anderem Inhaber unter anderem Namen weitergeführt wird, sind die bisher angemeldeten Domains obsolet. Es besteht schlichtweg kein Bedarf mehr für sie.

Wer wegen der Corona-Pandemie Insolvenz anmelden muss, sollte aber Domain-technisch nichts überstürzen. Auch wenn das marode Unternehmen wegen der Corona-Pandemie weder saniert noch verkauft werden kann, sollten keinesfalls vor Ende der Registrierungszeit die unternehmenseigenen Domains löschen. Denn das eröffnet Cyberkriminellen Tür und Tor.

Zweck dieser infamen Strategie ist es, an das Geld der Kunden zu kommen. Zusätzlich erhalten die Kriminellen Zugriff auf alle Daten, die bei den Unternehmens-Domains hinterlegt waren.

Das Risiko zu früh gelöschter Unternehmens-Domains

Der Sicherheitsspezialist Gabor Szathmari wies durch einen Versuch nach, dass er Domains einer aufgegebenen Anwaltskanzlei problemlos bei der DENIC eG neu registrieren konnte. Er konnte außerdem einen neuen E-Mail-Server einrichten. Dadurch wurde es möglich, auch ohne Hacking-Kenntnisse vertrauliche Unterlagen einzusehen. Szathmari kam so an alle möglichen Informationen über eine ehemalige Kanzlei. Gleiches ist Cyberkriminellen möglich.

Kaufen Cyberkriminelle die aufgegebenen Domains, erhalten sie – wenn die Daten nicht  vorher gelöscht wurden – die Kontrolle über den damit verbundenen Datenverkehr. Sie können beispielsweise die E-Mail-Korrespondenzen einsehen. und an Kundendaten gelangen. Manchmal verschaffen Kriminelle sich auf diese Weise sogar Zugang zu Nutzerkonten, die bei sozialen Medien angelegt wurden. So haben schon einige Domaininhaber unschöne Erfahrungen mit einer vorzeitigen Domain-Löschung machen müssen.

Domain-Käufe als Schlüssel, der Kriminellen Türen öffnet

Jeder durch Corona insolvente Unternehmer kann sich vorstellen, dass diese simple Methode auch auf jeden Webshop angewendet werden kann. Ein halbwegs geschickter Hacker oder Krimineller kann unter der frei gewordenen Unternehmens-Domain eine ähnliche Firmen-Website erstellen. Er kann diese bei der DENIC eG unter der alten Domain registrieren lassen. Das Design der alten Website kann problemlos unter archive.org abgerufen und nachgebaut werden.

Erfahrene Kunden eines insolventen Unternehmens bemerken den Betrug. Andere aber nicht – und auf diese haben es die Kriminellen abgesehen. Eine legal aufgekaufte Domain soll ahnungslose Kunden zu Warenbestellungen, Hotel- oder Reisebuchungen oder anderen Geschäftsabschlüssen verleiten. Ziel ist es, mindestens eine Anzahlung für Leistungen zu erhalten. Bekanntermaßen können Cyberkriminelle auf diese Weise hohe Umsätze machen, bevor der Schwindel auffliegt. Der preiswerte Domainname wird so zum Schlüssel für Betrügereien im großen Stil.

Website löschen, Domains zunächst behalten

Die beste Versicherung gegen solche Betrügereien ist es, die alte Unternehmens-Domain noch einige Zeit zu behalten. Auch wenn ein Betrieb sein wirtschaftliches Aus verkünden musste, lohnt es sich, die Domainregistrierung noch weiter aufrecht zu erhalten. Die nach einer Insolvenz eintreffende E-Mail-Korrespondenz sollte mittels “catch-all”-Service abgefangen und umgeleitet werden.

Aus mehreren Gründen ist es also sinnvoll, bei einer Insolvenz die firmeneigenen Domains nicht gleich zu löschen.
Diese Vorsichtsmaßnahme gilt auch, wenn die Firmenwebsite bereits aus dem Netz genommen wurde. Die Kosten für Domains sind so niedrig, dass durch die Weiterführung kein wirtschaftlicher Schaden entsteht – anders ist es, wenn sich Cyberkriminelle der aufgegebenen Unternehmens-Domains bemächtigen.