FAQ zur Kurzarbeit: Was gilt für Arbeitnehmer und Arbeitgeber?

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FAQ zur Kurzarbeit: Was gilt für Arbeitnehmer und Arbeitgeber?

FAQ zur Kurzarbeit: Was gilt für Arbeitnehmer und Arbeitgeber? 1368 677 coronavirus.de

Gegenwärtig befindet sich die Welt in einer Krise, wie es sie in dieser Form wahrscheinlich noch nie gab. Die Corona-Pandemie ist neben einem medizinischen auch zu einem wirtschaftlichen Problem geworden.

Um Covid-19 einzudämmen, verordneten Länder auf der ganzen Welt die Schließung von Geschäften und öffentlichen Einrichtungen. Das hatte den Verlust von Umsatz und unzähligen Arbeitsplätzen zur Folge. Allein in den USA wurden innerhalb weniger Wochen mehr als 20 Mio. Menschen arbeitslos. In anderen Ländern sieht es mit der Arbeitslosigkeit auch nicht viel besser aus. Im Vergleich dazu ist Deutschland bislang glimpflich davongekommen. Neben den umfangreichen Hilfspaketen zur Rettung der Wirtschaft ist das vor allem der Kurzarbeit zu verdanken.

Was genau ist Kurzarbeit?

Mit dem Begriff wird ein arbeitsmarktpolitisches Instrument der Bundesregierung bezeichnet, das bei kurzfristigen Krisen einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindern soll. Genauer gesagt bedeutet Kurzarbeit den vorübergehenden Wegfall oder die Reduzierung der Arbeitszeit aufgrund eines plötzlichen Einbruchs von Aufträgen. Arbeitnehmer, die von dieser Maßnahme betroffen sind, arbeiten weniger oder gar nicht. Der Arbeitgeber muss bei seiner zuständigen Arbeitsagentur Kurzarbeit anmelden. Dann übernimmt die Arbeitsagentur die Fortzahlung des Entgelts der Arbeitnehmer.
Der Sinn der Maßnahme besteht darin, Arbeitsplätze zu erhalten und die Unternehmen zu entlasten. Von Kurzarbeit profitieren sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer. Die Maßnahme kann von allen Unternehmen beantragt werden, die mindestens einen Angestellten beschäftigten. Dazu zählen nicht nur Industrie- und Gewerbebetriebe, sondern auch Gaststätten, Geschäfte und Kultureinrichtungen.

Vorteile für Arbeitgeber
Der Arbeitgeber muss die Lohnkosten nicht tragen und wird dadurch entlastet. Er muss seine Beschäftigten nicht kündigen und sobald die Krise vorbei ist, kann die Produktion in vollem Umfang wieder aufgenommen werden.

Vorteile für Arbeitnehmer
Der Arbeitnehmer wird nicht arbeitslos. Er erhält Kurzarbeitergeld, anteilig von seinem Nettolohn. Die Beiträge zur Sozialversicherung (Krankenkasse, Altersversorgung, Pflegekasse) laufen weiter.

Wer kann Kurzarbeit beantragen?

Die Beantragung ist Aufgabe des Arbeitgebers. Damit der Antrag genehmigt werden kann, muss das Unternehmen bestimmte Voraussetzungen erfüllen:

  • Mindestens 10 % der Beschäftigten müssen einen Entgeltausfall von mehr als 10
    % haben,
  • Überstunden und Guthaben auf Zeitkonten müssen abgebaut sein und
  • der Antrag muss jeden Monat erneut gestellt werden.

Arbeitnehmer erhalten das Kurzarbeitergeld wie den normalen Lohn ausgezahlt.

Wie hoch ist das Kurzarbeitergeld?

Die Höhe des Kurzarbeitergelds wurde von der Bundesregierung angepasst, um die sozialen Folgen der Pandemie zu mildern. Ursprünglich erhielten Arbeitnehmer ohne Kinder 60 % des letzten Nettolohns als Kurzarbeitergeld, Arbeitnehmer mit Kindern 67 %. Aktuell sind folgende Regelungen in Kraft:

  • 1.- 3. Monat des Bezugs des Kurzarbeitergelds: 60/67 % des Nettolohns,
  • 4.- 6. Monat des Bezugs des Kurzarbeitergelds: 70/77 % des Nettolohns,
  • und ab dem 8. Monat des Bezugs des Kurzarbeitergelds: 80/87 % des Nettolohns.

Achtung:
Anspruch auf eine Erhöhung des Kurzarbeitergeld besteht dann, wenn im jeweiligen Bezugsmonat der Verdienstausfall mindestens 50 % beträgt.
Die Gesamtbezugsdauer von Kurzarbeitergeld beträgt maximal 21 Monate pro Beschäftigten.

Wer ist bezugsberechtigt?

Zum Bezug von Kurzarbeitergeld sind alle Arbeitskräfte des Unternehmens berechtigt, die einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen. Das bedeutet, auch Angestellte mit einem befristeten Vertrag oder Teilzeitbeschäftigte können Kurzarbeitergeld beziehen. Azubis erhalten in den ersten 6 Wochen der Kurzarbeit ihre volle Ausbildungsvergütung. Ab der 7. Woche erhalten sie KUG, dessen Höhe sich an den Nettobezügen orientiert.
Kurzarbeit und die damit verbundenen Regelungen gelten nicht für Minijobber, geringfügig Beschäftigte und Personen, deren Arbeitsvertrag gekündigt wurde.

Achtung:
Aktuell gelten die veränderten Regelungen für Kurzarbeit und Kurzarbeitergeld noch bis zum 31. Dezember 2020. Es ist möglich, dass sich die Situation kurzfristig ändert und die Regelung länger gültig sein wird.

Welche Vorteile hat Kurzarbeit?

Der wichtigste Vorteil der Maßnahme besteht darin, dass Arbeitsplätze erhalten werden und hohe Arbeitslosigkeit vermieden wird. Das Unternehmen muss keine Arbeitskräfte entlassen, Beschäftigte brauchen sich nicht arbeitslos melden.
Betrieb und Belegschaft können flexibel auf eine Änderung der Lage reagieren und nach der Krise sofort wieder die Arbeit aufnehmen.
Arbeitnehmer können die freie Zeit nutzen, um sich beruflich fortzubilden und sollte die Kurzarbeit doch zur Arbeitslosigkeit führen, wird die Zeit des Bezugs von KUG nicht auf die Bezugsdauer von ALG 1 angerechnet.

Welche Nachteile hat Kurzarbeit?

Die Maßnahme ist sehr teuer: Bis jetzt hat die Bundesagentur für Arbeit bereits mehr als 60 Milliarden Euro ausgegeben (Stand Ende September 2020), ein großer Teil davon für Kurzarbeitergeld. Langfristig ist die Maßnahme also nicht finanzierbar.
Durch die Beantragung der Maßnahme werden die Unternehmen zwar entlastet, aber nur teilweise. Besonders viele kleine Firmen können längere Zeiträume ohne Aufträge nicht überleben. Wenn die Firma Insolvenz anmelden muss, werden die Beschäftigten arbeitslos.

Werden Nebenjobs auf das Kurzarbeitergeld angerechnet?

Wurde die Nebentätigkeit bereits vor Beginn der verkürzten Arbeitszeit ausgeübt, wird sie auf das Kurzarbeitergeld nicht angerechnet. Anders sieht es aus, wenn eine Nebentätigkeit erst während der Kurzarbeit, also nach dem 01. März 2020, begonnen wurde. Bisher wurde der Verdienst auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Diese Regelung wurde bis zum 31. Dezember 2020 durch eine Sonderregelung ersetzt, die soziale Härten ausgleichen soll. Bis dahin können alle Arbeitnehmer nebenbei Geld bis in Höhe des ursprünglichen Nettogehalts dazu verdienen. Minijobs bis 450 Euro pro Monat werden generell nicht auf die Höhe des Kurzarbeitergelds angerechnet. Diese Bestimmung wurde bis zum 31. Dezember 2021 verlängert.

Wie sind die Aussichten?

Das Instrument der Kurzarbeit scheint zu wirken. Nach einem moderaten Anstieg der Arbeitslosigkeit im ersten und besonders im zweiten Quartal 2020 meldete die Bundesagentur für Arbeit für September einen leichten Rückgang auf etwa 2,8 Mio. Arbeitslose. Das sind zwar noch immer 600.000 mehr als im selben Monat des Vorjahres, aber trotzdem bedeutend weniger als in anderen Ländern. Im Moment beträgt die Arbeitslosenquote knapp 6 %. Auf dem Höhepunkt der Arbeitslosigkeit im Jahr 2005 lag die Quote bei mehr als 11 % oder fast 5 Mio. Arbeitslosen in absoluten Zahlen.
Die jüngsten Zahlen geben Anlass zur Hoffnung, weil sie eine positive Entwicklung andeuten. Im Moment ist es jedoch zu früh, eine genaue Einschätzung zu geben. Alles hängt davon ab, wie sich die Pandemie weiter entwickelt. Würden die Unternehmen erneut gezwungen zu schließen, wären die Auswirkungen wahrscheinlich verheerender als beim ersten Mal. Daher gilt der dringende Appell: So lange es noch keinen Impfstoff gegen Covid-19 gibt, muss jeder Einzelne seinen Beitrag leisten, indem er sich an die Abstandsregelung und die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung hält.

*Hinweis: Zur besseren Lesbarkeit des Textes wurde auf die weibliche Form verzichtet. Das männliche Genus schließt hier stets alle Geschlechter mit ein.