So berechnet die Corona-Warn-App das Risiko

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So berechnet die Corona-Warn-App das Risiko

So berechnet die Corona-Warn-App das Risiko 1364 675 coronavirus.de

Wer sich die Corona-Warn-App herunterlädt und auf dem Smartphone installiert, den interessiert vor allem eines: das Ansteckungsrisiko. Aber wissen Sie auch genau, wie die App das Risiko berechnet? Während die Begegnung mit einem Ihrer Mitmenschen als harmlos eingestuft wird, schlägt die Corona-Warn-App bei einem anderen Zusammentreffen sofort Alarm. Zu wissen, wie die App im Detail funktioniert, hilft auch ein Stück weit dabei, das Ansteckungsrisiko selbst besser einschätzen zu können.

Wichtiges über die Technik hinter der Corona-Warn-App

Die Daten der einzelnen Personen werden per Bluetooth übertragen. Auf Basis der Stärke des Signals kann die Corona-Warn-App abschätzen, wie groß der Abstand zwischen den betroffenen Personen ist. Anhand dieser Information wird das Ansteckungsrisiko mithilfe von speziellen Algorithmen berechnet. Die konkreten Parameter sind alles andere als geheim. Wenn Sie nähere Informationen dazu brauchen, werden Sie im Netz fündig. Wie der Algorithmus in der Praxis funktioniert, verstehen allerdings nur die wenigsten Anwender.

Von der SAP und dem RKI wurden kürzlich Rechnungen veröffentlicht, die anhand von Beispielen deutlich machen sollen, wie die Corona-Warn-App im Alltag funktioniert. Hier geht es darum, wann die App Alarm schlägt und wann sie das Ansteckungsrisiko als so gering einschätzt, dass das Licht auf Grün steht. Gemeinsam haben die Softwareentwickler und die Experten für Epidemiologie die Grenzfälle genauer gesichtet.

Konkrete Daten, die wichtig sind

Anhand eines simplen Beispiels wird deutlich, wie die Corona-Warn-App das Ansteckungsrisiko berechnet. Wenn die Daten vom Server abgerufen werden, geht es um ganz bestimmte Zahlen, die – je nach Fall – nicht überschritten oder unterschritten werden dürfen. In einem ersten Schritt werden all jene Begegnungen gefiltert, die weniger als zehn Minuten gedauert haben. Hier ist das Ansteckungsrisiko nämlich besonders gering. Ebenfalls weniger relevant sind die Begegnungen, in denen mehr als acht Meter Abstand zwischen den Personen bestanden hat. Sind mehr als sechs Tage seit der Warnung vergangen, werden die Betroffenen ebenfalls vom Algorithmus herausgefiltert. Alle Begegnungen, auf welche die genannten Bedingungen nicht zutreffen, gelten als tendenziell risikoreich. Innerhalb der App wird nicht nur das Datum, sondern auch die Anzahl der risikohaften Begegnungen angezeigt.

Nun gibt es einen zweiten wichtigen Schritt. Die Corona-Warn-App berechnet eine rein fiktive Dauer. Zu diesem Zweck werden alle bestehenden Begegnungen mit Risiko addiert und je nach Korrekturwert gewichtet. Die Korrekturen sind dazu da, um den genauen Abstand und die Tagesanzahl mit zu berücksichtigen. Wird eine Dauer berechnet, die mehr als fünfzehn Minuten beträgt, zeigt die Corona-Warn-App ein potenzielles Ansteckungsrisiko an, das entsprechende Feld in der App leuchtet rot.

Sofern Sie zwischen zwei bis vier Tage lang keinen Kontakt zu einem Infizierten hatten, sind zehn Minuten bereits vollkommen ausreichend, um die App rot zu färben. Diese zehn Minuten müssen allerdings mit einem Abstand von höchstens 1,5 Metern zum Infizierten erfolgt sein. Wurde ein größerer Abstand eingehalten, bleibt die App grün.

Datum des Kontakts ist ausschlaggebend

Wenn der Kontakt zu einem Infizierten mehr als sechs Tage zurückliegt, erhöht sich die reale Dauer für einen Alarm. Sie erhöht sich konkret auf fünf Begegnungen, die in drei Meter Abstand und mit insgesamt 50 Minuten Dauer erfolgt ist. Vereinfacht: Je länger der Kontakt zurückliegt, desto großzügiger geht die Corona-Warn-App mit der Dauer und dem Abstand um.

Es kann vorkommen, dass Sie mit mehreren Infizierten in Kontakt gekommen sind. In diesem Fall nimmt die Corona-Warn-App schlicht an, dass die Infizierten alle am gleichen Tag die höchste Infektiösität hatten. Das macht die App, um auf Nummer sich zu gehen und das Ansteckungsrisiko zu senken.

Am ersten, am fünften und am sechsten Tag einer Infektion ist die Chance für eine Ansteckung in der Regel niedriger. Auch dieser Umstand wird von der App berücksichtigt. Handelt es sich bereits um den siebten Tag, wird die Corona-Warn-App darauf nicht mehr reagieren. Verbessert werden soll dieser Aspekt der Corona-Warn-App, indem die Infizierten aktuelle Symptome eintragen können. Das klappt derzeit allerdings noch nicht. Ein Update in der Zukunft soll genau das ermöglichen. Auch das Datum der ersten bewussten Symptome soll dann dazu beitragen, die Berechnungen genauer vorzunehmen. Auf diese Weise wird es hoffentlich möglich sein, das exakte Datum für die höchste Infektiösität zu berechnen.

Abstandsmessung bei der Corona-Warn-App

Inzwischen wissen die meisten Menschen: Das Ansteckungsrisiko steigt erheblich, wenn man sich einem Infizierten auf weniger als 1,5 Meter nähert. Allerdings wird der Abstand von der App nicht im herkömmlichen Sinne gemessen. Stattdessen wird lediglich anhand der Abschwächung des Bluetooth-Signals abgeschätzt, wie weit zwei Personen voneinander entfernt waren. Dieses System ist allerdings fehleranfällig, denn nur wenn Ihr Smartphone optimal ausgerichtet ist und es keinerlei Störfaktoren in der nahen oder ferneren Umgebung gibt, ist die Stärke des Signals optimal. Sobald Kleidung, der Körper eines Menschen oder zum Beispiel Möbel das Signal abschwächen, wird das  automatische Ergebnis in der Corona-Warn-App verfälscht.

Genau deshalb ist der Filter mit Vorsicht zu genießen, der anhand des Abstands das Ansteckungsrisiko festmacht. Manchmal waren Menschen wesentlich näher als acht Meter und dennoch schlägt die App keinen Alarm. Hier handelt es sich um einen tückischen Effekt. Auch bei der Berechnung von Zonen zwischen drei Metern und 1,5 Metern gibt es das eine oder andere Problem. Sowohl SAP als auch das RKI gehen einstimmig davon aus, dass viele Menschen sehr wohl höher als drei Meter waren, die App jedoch von einem weiteren Abstand ausgeht. Genau deshalb wird die Nähe mit einem Faktor von 0,5 gewichtet.

Verbesserungen von zeitlichen Angaben

Nicht nur die Angaben des Abstandes, sondern auch die Angabe der Zeit, die Sie mit einem Infizierten verbracht haben, kann von der Realität abweichen. Die App aktualisiert sich nur rund alle fünf Minuten. Das ist wichtig, damit Akku gespart wird. Rund zwei bis vier Sekunden lang wird die Umgebung dann gescannt. Deshalb können sich zehn Minuten durchaus fünfzehn Minuten ausweiten – das wird wiederum von der App nicht erkannt.

Die Corona-Warn-App zieht nur Zeiträume von sechs Tagen zur Berechnung heran. Deshalb ist es so wichtig, dass Testergebnisse sehr schnell ausgewertet werden. Wenn der Test vom Betroffenen abgegeben wird, erfolgt ein QR-Scan, um die Ergebnisse zuordnen und den Betroffenen sofort informieren zu können.

In der Zukunft soll es zahlreiche Verbesserungen für die App geben, um das Ansteckungsrisiko noch besser einschätzen zu können. Vor allem die Parameter zur Berechnung des Grenzwertes sollen noch ausgereifter werden. Zudem gibt es seit Neuestem eine türkische Übersetzung, damit es nicht an sprachlichen Barrieren scheitert. Die App soll perspektivisch mit Apps aus dem Ausland zusammenarbeiten, konkrete Daten hierzu gibt es derzeit noch nicht.