Wie Corona unser Arbeiten langfristig verändert 

Corona Arbeiten im Home Office

Wie Corona unser Arbeiten langfristig verändert 

Wie Corona unser Arbeiten langfristig verändert  1364 675 coronavirus.de

Das Jahr 2020 ist geprägt von der neuartigen Coronavirus-Erkrankung (COVID-19). Die Pandemie hat sich innerhalb weniger Wochen auf allen Kontinenten ausgebreitet und bestimmt nun sämtliche Lebensbereiche. Viele Regierungen haben massive Maßnahmen ergriffen, um die Verbreitung der Infektionskrankheit einzudämmen. Das hat nicht nur die privaten Gewohnheiten verändert, sondern auch die Arbeitswelt verändert. In Zeiten von Corona sind Home-Office und flexible Arbeitszeiten so wichtig geworden wie noch nie. Viele Unternehmen nutzen die Corona-Krise, um ihre aktuellen Arbeitsbedingungen zu überprüfen und neue Wege auszuprobieren. Arbeitsmodelle, die vor einigen Monaten noch undenkbar erschienen, sind auf einmal alternativlos und tragen entschieden dazu bei, Infektionsketten frühzeitig zu unterbrechen und so die Pandemie einzudämmen. 

 

Corona und die Auswirkungen auf die Arbeitswelt

Schon seit einigen Jahren versucht die Politik das mobile Arbeiten für möglichst viele Arbeitnehmer zu ermöglichen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil arbeitet bereits seit 2018 an einem entsprechenden Gesetzesentwurf. Da sich die große Koalition aber nicht auf einen Gesetzesvorschlag einigen konnte, rückte das Projekt immer mehr in den Hintergrund. Die Corona-Krise hat dem Thema eine neue Dynamik verliehen. Um mögliche Infektionsketten zu unterbinden und die Ansteckungsgefahr für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu minimieren, haben viele Unternehmen schnell gehandelt und Home-Office ermöglicht. Selbstverständlich kann nur vom mobilen Arbeiten Gebrauch machen, wer einen Großteil seiner Tätigkeiten am PC durchführt. Handwerkliche Berufe oder Arbeiten an einer Maschine können nicht vom Home-Office profitieren. Dies betrifft auch Großteile der Dienstleistungsbranche und Künstler. Nichtsdestotrotz treffen die Voraussetzungen für mobiles Arbeiten auf mehr als die Hälfte aller in Deutschland beschäftigten Arbeitnehmer zu. 

Repräsentative Umfragen bestätigen die Annahme, dass Home-Office aktuell häufiger genutzt wird als vor der Pandemie. Dabei haben sich sowohl die Zahl der Arbeitnehmer im Home-Office als auch die geleisteten Arbeitsstunden erheblich erhöht. In nahezu allen Bereichen, in denen mobiles Arbeiten möglich ist, wurde dies den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermöglicht. Das Home-Office wurde zu einem entscheidenden Faktor, um Unternehmen während der auferlegten Ausgangssperre handlungsfähig zu halten. 

 

Das sind die Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Im Allgemeinen hat das mobile Arbeiten für alle Beteiligten Vorteile. Arbeitgeber können den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter flexibles Arbeiten anbieten. Je nachdem welche privaten Verpflichtungen und Termine anstehen, können Arbeitstage entsprechend aufgeteilt werden. Durch Corona wurde diese Flexibilität besonders wichtig. Vor allem bei Haushalten mit schulpflichtigen Kindern ist eine freie Zeiteinteilung ein großer Vorteil. Auf Grund des Homeschoolings konnten am Morgen die Kinder unterrichtet und nachmittags bzw. abends noch geschäftliche Dinge erledigt werden. Außerdem zeigen die meisten Fachstudien, die sich mit mobilem Arbeiten befassen, dass auch die Zufriedenheit der Arbeitnehmer im Home-Office steigt. Ein Grund dafür sind beispielsweise die wegfallenden Anfahrtswege zur Arbeitsstelle, die bei Pendlern einen nicht unwesentlichen Teil des Arbeitstags ausmachen können. Das lässt den Schluss zu, dass Unternehmer, die Home-Office anbieten, bessere Chancen auf dem umkämpften Fachkräftemarkt haben. 

Durch Corona kommt ein weiterer Vorteil hinzu. COVID-19 verbreitet sich via Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch. Eine der wichtigsten Regeln zur Bekämpfung der Pandemie ist das Abstandhalten. Bei einem Mindestabstand von 1,5 Metern ist die Wahrscheinlichkeit, von einer infizierten Person angesteckt zu werden, relativ gering. Viele Unternehmen können den Mindestabstand im normalen Bürobetrieb jedoch nicht gewährleisten. Arbeiten aber einige Büroangestellte im Home-Office, können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Büro den Mindestabstand einhalten. Oft wechseln sich die Angestellten in einem Unternehmen mit den Home-Office-Zeiten ab, so kommt jeder in den Genuss, von zu Hause aus zu arbeiten. Lesen Sie hierzu auch unsere Beiträge zum Thema Schutzmaßnahmen im Home Office und im Büro.

 

Welche Herausforderungen haben die Arbeitgeber?

Trotz der vielen Vorteile hatten vor Corona viele Unternehmen das mobile Arbeiten noch nicht ermöglicht. Vor allem mittelständische und kleine Unternehmen haben in diesem Bereich Nachholbedarf. Dafür gibt es verschiedenste Gründe. In hierarchisch geprägten Firmen herrscht oft die Denkweise, dass es zu einem Kontrollverlust kommt, wenn die Angestellten ihre Arbeit nicht im Büro durchführen. Besprechungen können nur online  durchgeführt werden und nicht Face-to-Face. Das erfordert viel Vertrauen in die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 

Eine weitere Herausforderung ist die Ausstattung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Um effizient im Home-Office zu arbeiten, benötigen Arbeitnehmer entsprechendes Equipment. Durch Corona wurden nicht nur Nudeln und Reinigungstücher zur Mangelware, auch Laptops, Webcams, Headsets und Tastaturen waren zeitweise restlos ausverkauft. Auch dies hatte vor allem mittelständische und kleine Unternehmen betroffen, die oft günstigere Desktop-PCs eingesetzen, um Kosten zu sparen. Die fehlende Technik musste in der Corona-Zeit kurzfristig beschafft werden. Eine prozessuale und finanzielle Herausforderung für die Unternehmen.

 

Arbeiten nach Corona – gibt es  langfristige Veränderungen?

Viele Arbeitnehmer, die aktuell aus dem Home-Office arbeiten dürfen, fragen sich, ob mobiles Arbeitens auch nach überstandener Corona-Krise möglich sein wird. Es gibt einige Faktoren, die für eine langfristige Veränderung sprechen.

Experten gehen davon aus, dass die Vorteile des mobilen Arbeitens sowohl für die Arbeitgeber als auch für die Arbeitnehmer überwiegen. Wenn die Bundesregierung in naher Zukunft ein entsprechendes Gesetz in die Wege leiten wird, kann Home-Office in den nächsten Jahren zu einem festen Bestandteil in der Arbeitswelt werden.

Außerdem wurden in den letzten Wochen viele in das nötige Equipment investiert. Das sollte sich bezahlt machen. Und auch die Arbeitnehmer werden auf die Vorteile der flexiblen Arbeitszeitgestaltung nur ungern verzichten wollen.